Gesicherte und bezahlbare Stromversorgung ohne Atomenergie ist bis 2020 realisierbar

Studien des Ökoinstituts und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) belegen, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie ohne Gefährdung der Grundversorgung mit Strom und ohne explodierende Strompreise möglich ist. 

Innerhalb eines Jahrzehnts könnten durch den Ausbau erneuerbarer Energien und flexibler, umweltfreundlicher Gaskraftwerke alle Kernkraftwerke in Deutschland ersetzt werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des DLR aus dem Jahre 2010. Auch eine kürzlich erschienene Studie des Ökoinstituts bestätigt, dass ein komplettes Abschalten aller deutschen Atomkraftwerke bis 2020 ohne Abstriche beim Klimaschutz, ohne „Stromlücke“ und mit nur geringem Einfluss auf die Strompreise realisierbar ist.

Die gesamte installierte Nettoleistung der heute am Netz befindlichen Kernkraftwerke von insge-samt 20.500 MW können bis 2020 durch andere Energieträger erbracht werden. Laut dem Ökoinstitut ist es möglich, zehn Kernkraftwerke sofort abzuschalten, vier Kraftwerke bis 2013 und die verbliebenen drei Kernkraftwerke im zweiten Drittel der Dekade. Der deutsche Strommarkt war auf eine schnelle Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke in naher Zukunft weitestgehend vorbereitet. Hinsichtlich der Versorgungssicherheit bestanden daher keinerlei Probleme, ebenso wenig wie mit starken Preisänderungen.
Im Detail könnte laut Ökoinstitut der Ausstieg aus der Atomenergie wie folgt aussehen:

  • Die Reserven des Systems in Höhe von mindestens 8.700 MW, unter Berücksichtigung der not-wendigen Reservekapazitäten, machen eine kurzfristige, dauerhafte Stilllegung der sieben ältesten sowie des derzeit nicht betriebenen Atomkraftwerks Krümmel möglich.
  • Durch Kaltreserven, also abgeschaltete und konservierte Kraftwerksblöcke, welche bei Bedarf wieder in Betrieb genommen werden können, sind deutschlandweit innerhalb einiger Wochen bis Monate Kraftwerkskapazitäten von 2.500 MW verfügbar.
  • Durch Lastmanagement-Maßnahmen könnten innerhalb von ein bis zwei Jahren Potenziale zur Spitzenlastreduzierung von mindestens 2.000 MW genutzt werden.
  • Bis 2013 werden weitere, derzeit im Bau befindliche, Kraftwerke in Betrieb genommen: Diese können die fossilen Kraftwerkskapazitäten, die künftig vom Netz genommen werden, komplett abdecken und zusätzlich 2.800 MW erzeugen. Damit wird die Stilllegung weiterer Atomkraftwerke bis 2013 möglich.
  • Die Abschaltung der restlichen drei Atomkraftwerke bis 2020 ist durch den Neubau von Biomasse-Kraftwerken, dezentraler Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und weiterer Erdgas-Anlagen möglich. Dadurch entstehen zusätzliche Kraftwerkskapazitäten von bis zu 5.000 MW.

Bis 2020 könnte demnach die Erzeugung von 21.000 MW möglich sein, was die derzeitige Leistung aller Atomkraftwerke sogar um 500 MW übertrifft.

Laut der Studie des DLR ist jedoch neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien auch eine kontinuierliche Anpassung der Netzinfrastruktur und eine Steigerung der Energieeffizienz notwendig. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass durch Einsparmaßnahmen in Industrie, privaten Haushalten und im Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungssektor der Stromverbrauch bis 2020 jährlich rund 70.000 MWh reduziert werden kann. Dies entspricht der Energie, welche durch zehn Atomkraftwerke erzeugt wird. Außerdem sind gezielte Investitionen im Gebäudesektor, in der Industrie und im Straßenverkehr notwendig.
Beide Studien kommen zu dem Schluss, dass die Maßnahmen zum Ausbau der erneuerbaren Ener-gien in Verbindung mit dem Ausstieg aus der Atomenergie bis 2020 nur kurzfristig zu einem gerin-gen Anstieg der Strompreise, mittelfristig jedoch wieder zu einer Absenkung führen werden.

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Quellen: Ökoinstitut, DLR, www.co2-handel.de

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