Steckbrief „Vater Rhein“

Baujahr: 1899-1901
Typ: Ehemaliger Schleppkahn ohne eigenen Antrieb, heute Vereinsheim „Vater Rhein“ des Motorboot Clubs Karlsruhe e.V.
Steht: Im Yachthafen Karlsruhe-Maxau, fest vertäut
Merkmale: maritim, ständig Wind und Wetter ausgesetzt, Treffpunkt für rund 180 Mitglieder
Zustand: energetisch fit mit 54 kWp Photovoltaikanlage auf dem Dach
Substanz: Massiver Kahn (407 Tonnen)
Mit dem Solar-Boot auf Kurs
Wer am Yachthafen in Karlsruhe-Maxau vorbeikommt, sieht zuerst das, was man an einem Hafen erwartet: Boote, Stege, Wasser. Doch seit Kurzem fällt noch etwas anderes ins Auge – etwas, das es so vorher in Karlsruhe noch nicht gab. Auf dem Dach des Clubschiffs „Vater Rhein“ des Motorboot-Clubs Karlsruhe e. V. arbeitet nämlich seit letztem Sommer eine Photovoltaikanlage. Dem 1961 gegründeten Verein gehören rund 180 Mitglieder an, mit 120 Liegeplätzen an Schwimmstegen sowie 38 Bootshallen. Ein großer Club und vor allem ein Ort mit beachtlichem Energiebedarf …
Heute lesen Sie:
- Warum der Strombedarf eines Hafens überraschend hoch ist
- Wie ein Verein auf dem Wasser eine PV-Anlage realisieren konnte
- Wie Naturgewalten das Projekt prägten
Wo der Stromverbrauch besonders hoch war
Das Clubschiff dient als Vereinsheim und gastronomischer Treffpunkt. In energetischer Hinsicht war es ein großer Verbraucher:
- Klimatisierung: Der größte Stromposten. Das Schiff ist nahezu ungedämmt und Wind, Wetter und Sonne direkt ausgesetzt. Im Sommer ist Kühlen energieintensiver als Heizen im Winter.
- Beleuchtung: Der Hafen und damit auch die vereinseigene Infrastruktur wie die Anlegestelle und der Uferbereich des Clubschiffs werden aus Sicherheitsgründen umfangreich beleuchtet.
- Pumpen: Die Sanitäranlagen müssen regelmäßig abgepumpt werden.
- Bordstrom für Mitglieder: Die Bootsbesitzer laden im Hafen ihre bordeigenen Batterien. Je nach Ausstattung und Nutzung entstehen sehr unterschiedliche Verbräuche – zwischen 100 und 4.000 kWh pro Jahr. Dabei handelt es sich nicht um die Batterien von E-Booten, sondern um Verbraucher wie Kühlschränke, Ladegeräte, Innenbeleuchtung oder Startbatterien.
Kurz: Ein Standort mit vielen Dauerverbrauchern – lange bevor ein Boot überhaupt ablegt.
Der Wunsch nach Unabhängigkeit
Mit steigenden Strompreisen und einem dauerhaft hohen Energiebedarf wuchs beim Motorboot-Club Karlsruhe e. V. der Wunsch, unabhängiger vom Energieversorger zu werden. Eine Photovoltaikanlage bot sich regelrecht an: Der größte Stromverbrauch fällt im Sommer an – also genau in der Zeit, in der PV-Anlagen am meisten Energie liefern. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung war eindeutig: Rund acht Jahre Amortisationszeit, danach deutliche Einsparungen.
Von der Idee zur Prüfung
Bevor jedoch das erste Modul montiert werden konnte, ließ sich der Verein vor rund einem Jahr von der KEK beraten. Gemeinsam wurden Möglichkeiten, Systemgrößen und Besonderheiten des Standorts bewertet. Der Verein holte Angebote ein, die durch die KEK fachlich geprüft wurden. Ein Solarteur aus Ettlingen entwickelte schließlich ein maßgeschneidertes Konzept für das schwimmende Vereinsheim. „Wir können den selbst erzeugten Strom wahrscheinlich fast vollständig direkt nutzen“, erklärt Vereinsvorsitzender Jörg Hasselberg. Eine Einspeisung sei kaum zu erwarten – ideal für eine Anlage, die konsequent auf Eigenverbrauch ausgelegt ist.
Planung auf engem Raum
Schnell zeigte sich jedoch: Die Dachfläche des Schiffs ist begrenzt, denn Wartungsgänge müssen frei bleiben, und zudem gab der Netzbetreiber eine maximale Anschlussleistung von 54 kW vor. Hinzu kamen Besonderheiten, die im Gegensatz zu einem Haus typisch für ein Schiff sind: : Der Versicherer verlangte außergewöhnlich hohe Sicherheitsstandards, etwa beim Brandschutz und beim Gewässerschutz. Für eine Photovoltaikanlage auf einem Boot gibt es kaum Erfahrungswerte – entsprechend hoch war der Abstimmungsbedarf.
Technische Herausforderungen auf dem Wasser
Nachdem die Planungs- und Sicherheitsfragen geklärt waren, wurde klar: Die Montage der PV-Module bringt eigene technische Besonderheiten mit sich. Auf Flachdächern, egal ob auf einem Haus oder einem Schiff, darf die Dachhaut nicht durchdrungen werden, da sie das Gebäude vor Regen und Feuchtigkeit schützt. Jede Schraube könnte eine Leckstelle erzeugen. Deshalb werden PV-Module auf Flachdächern oft ballastiert, also mit Gewichten beschwert, statt mit dem Untergrund verschraubt.
Auf dem Wasser kommen zusätzliche Anforderungen hinzu: Windgeschwindigkeiten sind höher, Böen unberechenbarer. Auf einem 50 Meter langen Schiff, das ständig den Elementen ausgesetzt ist, könnte jede unkontrollierte Bewegung der Module gefährlich werden. Zusätzliche Windleitbleche verhindern ein Verrutschen bei starkem Wind – eine einfache, aber effektive Lösung für die PV-Anlage auf dem Wasser.
Das Ergebnis: Eine PV-Anlage, die exakt auf die Bedingungen vor Ort zugeschnitten ist: 54 kWp Photovoltaikleistung und ein leistungsstarker Batteriespeicher mit 18 kWh, der Lastspitzen abfängt und den Eigenverbrauch zusätzlich erhöht.

Speicher und Wechselrichter sind unter Deck verbaut
Finanzierung und Empfehlung
Eine Förderung gab es für das Projekt nicht. Umgesetzt werden konnte es dennoch, weil der Verein über ausreichend Rücklagen verfügte. Für Jörg Hasselberg steht fest: „Es ist der richtige Weg, jetzt auf Photovoltaik zu setzen. Die Entwicklung auf dem Energiemarkt kann keiner absehen – aber da unser Eigenverbrauch sehr hoch ist, wird die Anlage schnell wirtschaftlich.“
Für andere Vereine hat er einen Rat: Eine feste Ansprechperson finden, die das Projekt vereinsseitig begleitet und später die Erträge über die App im Blick behält. Gerade bei größeren oder ungewöhnlichen Anlagen – wie einer PV auf einem Schiff – ist ein verlässlicher Ansprechpartner Gold wert.
Sie haben Interesse an einer kostenfreien Energieberatung für Ihren Verein? Rufen Sie gerne unseren Experten Holger Lang an: 0721 480 88 13.