Mit jedem Konzert wächst ein Stück Wald. Die Badische Staatskapelle ersetzt Schnittblumen durch KlimaBäume und hat so bereits die Pflanzung von über 192 Bäumen im ecuadorianischen Nebelwald ermöglicht. Wie diese Idee funktioniert und warum sie auch für andere Organisationen Vorbild sein kann, zeigen wir in diesem Beitrag.
Vom Konzertsaal in den Nebelwald
Der letzte Ton des Sinfoniekonzerts ist verklungen. Während die Musik noch im Saal nachhallt, bricht der Applaus los. Dirigent und Musikerinnen und Musiker nehmen ihn dankbar entgegen und verbeugen sich. Bevor das Orchester die Bühne des Badischen Staatstheaters verlässt und das Publikum den Konzertsaal räumt, wird dem Dirigenten und der Solistin eine kleine Papierrolle mit roter Schleife überreicht.
Anstelle eines Blumenstraußes als Zeichen des Dankes, hat sich die Badische Staatskapelle etwas anderes einfallen lassen. Unter dem Slogan „Mit jedem Konzert wächst der Wald“, erhalten Gastdirigenten und Gastdirigentinnen sowie Solistinnen und Solisten eine Urkunde für die Pflanzung eines Baums im Aufforstungsprojekt „Puntos Verdes“ in Ecuador. Entwickelt haben wir das Projekt gemeinsam mit einem lokalen Team vor Ort. Seit 2023 ersetzt die Staatskapelle in ihren Sinfoniekonzerten Schnittblumen durch Baumpflanzungen und hat auf diese Weise bereits die Pflanzung von 192 Bäumen ermöglicht. Diese symbolische Geste entfaltet konkrete Wirkung.

Anstelle eines Blumenstraußes erhalten die mitwirkenden Gäste am Badischen Staatstheater eine Urkunde für die Pflanzung eines Baums im Aufforstungsprojekt „Puntos Verdes“, das von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) umgesetzt wird.
Im ecuadorianischen Nebelwald, rund 90 Kilometer westlich von Quito, werden im Rahmen des Projekts „Puntos Verdes“ ehemalige Weideflächen mit einheimischen Baumarten aufgeforstet. Die Setzlinge stammen aus regionalen Baumschulen und werden über mehrere Jahre hinweg gepflegt. So entstehen artenreiche Mischwälder, die langfristig CO₂ binden, Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bieten und zugleich lokale Arbeitsplätze sichern.


Die Pflanzung von KlimaBäumen im viele Tausend Kilometer entfernten ecuadorianischen Nebelwald auf einer ehemaligen Weidefläche.
Orchester des Waldes
Das Engagement der Badischen Staatskapelle wurde durch den Beitritt in den Verein „Orchester des Wandels“ ausgelöst. In diesem engagieren sich Berufsorchester aus ganz Deutschland für Natur- und Klimaschutz. Das Staatstheater Karlsruhe versteht Nachhaltigkeit dabei nicht als Zusatzprojekt, sondern als wesentliches Organisationsziel. Neben einer jährlichen Treibhausgasbilanzierung ist das Haus Mitglied im „Netzwerk Nachhaltige Kultur Karlsruhe“ und arbeitet spartenübergreifend daran, ökologische Verantwortung fest im Theaterbetrieb zu verankern. Für das Festival „FLOW – Tage der Nachhaltigkeit“, im Rahmen dessen unter anderem zahlreiche Baumurkunden überreicht wurden, erhielt das Staatstheater Karlsruhe 2023 den OPUS KLASSIK Innovationspreis für Nachhaltigkeit.
„Schön an der Situation im Staatstheater Karlsruhe ist, dass, neben der bereits bestehenden Nachhaltigkeits-AG, mittlerweile das gesamte Theater, von der Leitungsebene bis zu den einzelnen Sparten und Abteilungen, das Thema unterstützt und es dadurch erst in diesem Umfang ermöglicht“, sagt Heinrich Gölzenleuchter, Posaunist der Badischen Staatskapelle.
Auch Anna Haas, Transformationsmanagerin Nachhaltigkeit Kultur am Staatstheater Karlsruhe, betont: „Als Theaterschaffende können wir die Herausforderungen der Klimakrise als Chance begreifen und die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaftsform mit vorantreiben. Unsere größte Ressource ist die Kreativität, Neues auszuprobieren.“

Für das Festival „FLOW – Tage der Nachhaltigkeit“, in dessen Rahmen unter anderem zahlreiche Baumurkunden überreicht wurden, erhielt das Badische Staatstheater 2023 den OPUS KLASSIK Innovationspreis für Nachhaltigkeit.
Die Baumurkunden werden von den Gästen laut dem Staatstheater mit spürbarer Wertschätzung angenommen. Zwar reagieren manche zunächst überrascht über diese besondere Form des Dankes, doch die Resonanz ist durchweg positiv. Einige Dirigentinnen und Dirigenten haben inzwischen eine kleine „Baum-Sammlung“ aufgebaut. Generalmusikdirektor Georg Fritzsch erhielt bisher den größten Anteil am neu gepflanzten Wald. Seine Urkunden verschenkt er nach den Konzerten an Mitglieder der Badischen Staatskapelle weiter. So wird aus einer symbolischen Geste ein wachsender Gedanke, der im Orchester weitergetragen wird.
Unsere Konzerte sind ein wachsender Beitrag für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Gäste der Sinfoniekonzerte reagieren positiv überrascht auf die Baumurkunden. Einige andere Häuser haben diese Initiative, die sie bei uns kennenlernen konnten, für sich ebenfalls übernommen.
Oliver Kersken, Orchesterdirektor der Badischen Staatskapelle.
Das Beispiel des Badischen Staatstheaters zeigt, wie sich kulturelle Wertschätzung und konkreter Klimaschutz auf einfache Weise verbinden lassen. Mit jedem Konzert wächst tatsächlich ein Stück Wald. Damit wird die Idee gestärkt, dass auch andere Organisationen aktiv zur nachhaltigen Transformation beitragen können.
Sie möchten selbst einen KlimaBaum verschenken?
Wenn auch Sie das Aufforstungsprojekt „Puntos Verdes“ in Ecuador unterstützen und einen KlimaBaum verschenken möchten, finden Sie weitere Informationen auf der Website des Karlsruher Klimafonds. Sie können uns auch direkt unter klimafonds@kek-karlsruhe.de kontaktieren.