Was passiert, wenn mehrere Eigentümerinnen und Eigentümer in einem Mehrfamilienhaus an einem Strang ziehen? In der Karlsruher Oststadt zeigt eine Wohneigentümergemeinschaft, wie die Energiewende auch im Altbau gelingen kann – gemeinsam, gut vorbereitet und mit einem klaren Ziel vor Augen.
Steckbrief
Baujahr: 1900
Typ: historischer Mauerwerksbau
Steht: in der Oststadt
Merkmale: selbst verwaltet von einer Wohneigentümergemeinschaft
Zustand: Altbau in gutem Zustand mit Wärmepumpe im Garten und Photovoltaik auf dem Dach
Substanz: 2005 umfassend renoviert. Photovoltaik und Wärmepumpe versorgen seit Herbst 2025 sieben Wohneinheiten
Umstieg auf erneuerbare Energien als Wohneigentümergemeinschaft
Das Haus ist ein typischer Karlsruher Altbau: historischer Mauerwerksbau, Baujahr 1900, 2005 umfassend renoviert, 2024 kam eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach. Sieben Wohneinheiten, vier Eigentümer und ein bemerkenswerter Zusammenhalt. Die WEG verwaltet sich selbst, ohne externe Hausverwaltung. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Vertrauen ist da. Und mit Olaf, Miteigentümer in der WEG und Physiker, gibt es jemanden, der sich tief in die Technik einarbeitet, analysiert, vergleicht und das Projekt im Sinne aller vorantreibt.
Heute lesen Sie:
- wie eine WEG gemeinsam den Umstieg auf erneuerbare Energien plant
- warum eine Wärmepumpen-Kaskade besonders gut zu einem Altbau passt
- wie sich auch bestehende Heizkörper für Wärmepumpen eignen
- warum gute Vorbereitung Konflikte in der WEG vermeidet
- welche Hürden dazugehören und wie man sie löst
Der Startpunkt: ein klassischer Altbau
Seit 2005 wurde das Haus über eine zentrale Gasheizung versorgt. Wie bei vielen Altbauten der Fall, war auch hier die Gasheizung sicherheitshalber überdimensioniert worden. Mit Vorlauftemperaturen von über 60 °C wurde dafür gesorgt, dass auch bei hohen Wärmeverlusten jede Wohnung ausreichend beheizt wird. Sind die Verluste im Einzelfall allerdings gar nicht so hoch, dann heißt es: Je heißer das Heizwasser, desto ineffizienter der Betrieb.
Auf den ersten Blick also genau die Art von Gebäude, bei der oft zu hören ist: „Für Wärmepumpen ungeeignet.“ Hohe Vorlauftemperaturen, ungedämmter Altbau, mehrere Wohneinheiten – mehr Gegenargumente gehen kaum.
Doch die Eigentümergemeinschaft wollte es genauer wissen: Überblick über erneuerbare Energien verschaffen, nichts unbetrachtet lassen und die Ausgangslage genau analysieren. Dabei spielte nicht nur der Klimaschutz eine Rolle, sondern auch der Blick nach vorn: Wohngebäude machen einen erheblichen Teil der CO₂-Emissionen aus, gerade Altbauten. Wer hier investiert, investiert in Zukunftssicherheit.

Olaf, Miteigentümer in der WEG und Physiker nimmt sich den energetischen Themen der WEG an
Erst verstehen, dann entscheiden
Früh wurde ein Energieberater eingebunden. Im Laufe des Prozesses wechselte die WEG noch einmal zu einer anderen Beraterin, die die konkreten Ziele der WEG besser verstand. Ein wichtiger Schritt, denn: Die Qualität der Beratung entscheidet über die Qualität der Lösung. Basierend auf den Ergebnissen der Energieberatung und den bekannten Verbräuchen hat Olaf eine umfangreiche Energie- und Kostenmodellierung für das Haus erstellt. Dadurch konnte die WEG unter den verschiedenen Lösungsmöglichkeiten eine fundierte Entscheidung treffen.
Nach Prüfung aller Optionen, von Geothermie über Sole-Wasser-Wärmepumpe bis hin zu Erdkollektoren, fiel die Entscheidung auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe.
Die Lösung: Eine Wärmepumpen-Kaskade
Nicht eine einzelne, sondern gleich zwei Wärmepumpen, die in Kaskade und parallel geschaltet werden können.
Was heißt das?
Statt eine große Wärmepumpe für alles einzusetzen, teilen sich zwei Geräte die Aufgaben:
- Eine größere Wärmepumpe (20 kW) ist für die Raumheizung zuständig und läuft hauptsächlich in der Heizperiode.
- Eine kleinere Wärmepumpe (15 kW) sorgt ganzjährig für Warmwasser.
Beide arbeiten mit eigenen Pufferspeichern. Hat die Warmwasser-Wärmepumpe ihre Aufgabe erfüllt, unterstützt sie die größere Anlage beim Heizen. So wird die Leistung optimal verteilt, die Anlagen laufen effizienter und flexibler und arbeiten seltener im „Stop-and-Go-Betrieb“. Ein großer Vorteil gerade im Altbau.

Die Luft-Wasser-Wärmepumpen-Kaskade steht im Hinterhof des Mehrfamilienhauses
Besonders aufmerksam wurden die vorhandenen Heizkörper geprüft. Oft heißt es, dass bei der Umstellung von Öl- oder Gasheizung auf Wärmepumpe grundsätzlich die alten Heizkörper ausgetauscht werden müssten.
In diesem Haus traf das nicht zu. Von insgesamt 40 Heizkörpern mussten lediglich vier ersetzt werden. Die meisten waren dafür geeignet, auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen zuverlässig die Wärme an den Raum abzugeben.
Tipp der WEG
Die WEG hat ihren Altbau modernisiert und hat dafür einen Tipp: Sie hat nicht die gesamten Fenster ausgetauscht, sondern nur die Scheiben, die kein Isolierglas waren. Das macht allerdings nicht jeder Fensterbaubetrieb. Dieses Vorgehen war deutlich ökonomischer, als die ganzen Fenster auszutauschen. Getauscht wurde alte, schlechtere 2-Scheiben-Verglasung gegen neue 2-fach-Isolierverglasung. Die übrigen der Fenster hatten bereits Isolierglas, oder mussten ausgetauscht werden, weil der Rahmen nicht mehr in Ordnung war.
Nachjustieren gehört dazu
Ganz ohne Probleme lief das Projekt nicht. Nach Inbetriebnahme der Wärmepumpen wurde eine Erdgeschosswohnung nicht ausreichend warm. Die Lösung: eine Druckanpassung und Feinjustierung der Anlage.
Und genau dafür ist Monitoring vor allem in der ersten Heizperiode entscheidend. Mit vergleichsweise einfacher Hardware und einer Open-Source-Smarthome-Software behält Olaf alle relevanten Werte im Blick. Das Monitoring kann aber auch bei den Heizungsinstallateuren beauftragt werden. So kann bei Bedarf nachjustiert werden – transparent für die gesamte WEG.

Wärmetauscher am Pufferspeicher
Photovoltaik für alle – mit Umwegen

Bereits im Herbst 2024 ging eine Photovoltaikanlage mit 14 kWp und 14 kWh Speicher in Betrieb. Der erzeugte Strom soll möglichst allen Wohneinheiten zugutekommen. Klingt einfach, ist es in der Praxis aber noch nicht.
Ein physischer Summenzähler wäre sehr teuer gewesen und Platz für die Montage hätte es auch nicht gegeben. Die Lösung: ein virtueller Summenzähler, der die Daten der einzelnen Smart Meter rechnerisch zusammenführt. Technisch funktioniert das System einwandfrei, organisatorisch betrachtet bringt es jedoch reichlich Bürokratie mit sich. Ein Wechsel des Messstellenbetreibers war notwendig und führte zu aufwendigen Abstimmungen.

Zählerschrank mit Smart Metern
„Neuland“, sagt Olaf – für alle Beteiligten. Die Daten sind da, die Technik läuft, der Abrechnungsprozess braucht noch Zeit. Die WEG bleibt gelassen.
Finanzierung, Förderung und ein klarer Blick nach vorn
Das Projekt wurde aus den Rücklagen der WEG finanziert. Hinzu kamen KfW- und BAFA-Zuschüsse für Einzelmaßnahmen.
Und heute?
Die WEG ist überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Olafs Fazit: „Es gibt keine bessere Geldanlage, als in niedrige Betriebskosten zu investieren. Und gemeinsam geht das deutlich besser als allein.“ Ein Satz, der diese WEG ziemlich gut beschreibt.
Dieses Projekt zeigt: Wärmepumpe und Photovoltaik funktionieren auch im Altbau. Sie sind weder exklusive Neubau-Technologie noch erfordern sie zwangsläufig aufwändige Dämmmaßnahmen. Entscheidend sind Analyse, Planung und der Wille, gemeinsam eine Lösung zu finden.
Sie möchten direkt mit Olaf in Kontakt treten? Dann schreiben Sie ihm eine E-Mail an oststadthaus-ee@mailbox.org.
Fragen?
Auch Ihre Wohneigentümergemeinschaft möchte auf erneuerbare Energien umrüsten? Unsere Energieberaterinnen und -berater helfen Ihnen gerne weiter. Vereinbaren Sie bequem online Ihren kostenfreien Beratungstermin oder rufen Sie uns an: 0721 480 88 250.