Martin (Miteigentümer einer WEg) steht auf dem Dach, wo gerade Photovoltaik installiert wurde.
© KEK

WEG Sonnenblick

Photovoltaik in einer Wohneigentümergemeinschaft? Ein Miteigentümer einer WEG aus der Karlsruher Südstadt zeigt, wie sie das Projekt umgesetzt haben – auf pragmatische Art und Weise. Lassen Sie sich inspirieren!

Solarstrom für alle – wie eine WEG den ersten Schritt wagt

Photovoltaik in einer Wohneigentümergemeinschaft – zu kompliziert, zu viel Abstimmungs-bedarf? Martin aus der Karlsruher Südstadt hat gezeigt, dass es geht. Sein Rezept: pragmatisch einsteigen, Geduld mitbringen und einfach anfangen.

Steckbrief

Rotes Dach, das mit Photovoltaik belegt ist. Es ist das Dach der "WEG Sonnenblick", eine Wohneigentümergemeisnchaft, die Photovoltaik installiert hat.

Baujahr: 1868
Typ: Mehrfamilienhaus, Wohneigentümergemeinschaft (7 Parteien) verwaltet von einer Hausverwaltung
Steht: in der Südstadt
Merkmale: eine Partei übernimmt die Planung und Umsetzung der PV-Anlage; Verkauf an die Parteien innerhalb des Hauses (geplant; noch nicht umgesetzt)
Zustand: Altbau mit gedämmtem Dach
Zustand nachher: Photovoltaik-Anlage + Speicher

Photovoltaik? Damals noch kein Thema

Martin ist Miteigentümer einer Wohneigentümergemeinschaft (WEG) in einem Mehrfamilienhaus in der Karlsruher Südstadt. Vor fünf Jahren beauftragte die WEG einen Energieberater und ließ einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen. Eine der zentralen Empfehlungen: das Dach dämmen und neu eindecken. Eine Maßnahme, die viel Energie sparen kann.

Photovoltaik? Damals noch kein Thema. Zu kompliziert, zu viele offene Fragen – vor allem wegen der besonderen Situation in der WEG: Viele Wohnungen sind vermietet. Mieterinnen und Mieter können ihren Stromanbieter frei wählen. Wie also den selbst erzeugten Strom fair verteilen?

Das Dach wurde gedämmt, die Photovoltaik-Idee wurde erst einmal auf Eis gelegt. Bis Martin in Rente ging.

Wenn einer anfängt, kommt Bewegung rein

Mit mehr Zeit im Rücken nahm sich Martin das Thema noch einmal vor. „Wir hatten das schon lange im Kopf“, sagt er.

Sein Vorgehen war bewusst pragmatisch:

  • Empfehlungen für Solarteure im Bekanntenkreis einholen
  • mehrere Angebote vergleichen
  • und erst dann mit konkreten Vorschlägen auf WEG und Hausverwaltung zugehen

Denn: In Eigentümergemeinschaften wird selten über Ideen entschieden, sondern über konkrete Vorschläge.

Die erste Reaktion? Zurückhaltung. Zu komplex, zu viel Abstimmungsbedarf. Martins Vorschlag: Er übernimmt die Planung selbst und bietet den anderen später an, den Strom zu nutzen. Die WEG muss dafür nur eines erlauben: die Nutzung des Dachs. Und genau das tat sie.

Warum gemeinsamer Solarstrom oft kompliziert ist

Mit der Zustimmung der WEG ging es in die konkrete Planung. Schnell zeigte sich: Die größte Hürde ist nicht die Anlage selbst, sondern die Frage, wie der Strom im Haus verteilt wird.

Denn sobald mehrere Parteien beteiligt sind, wird es komplex: Wie wird der PV-Strom in den einzelnen Wohnungen gemessen und abgerechnet? Und was passiert bei einem Mieterwechsel? Die sogenannte Mess- und Abrechnungsstruktur ist technisch wie rechtlich anspruchsvoll. Unterschiedliche Stromanbieter, gesetzliche Vorgaben und fehlende Standardlösungen machen das gerade in WEGs zur echten Herausforderung. Es gibt jedoch spezialisierte Dienstleister, die genau diesen Part übernehmen und den Prozess deutlich vereinfachen können.

Martin holte sich dazu Unterstützung bei der KEK. Als Gesellschaft der Stadt Karlsruhe beraten wir unabhängig und neutral. Gemeinsam wurden verschiedene Modelle geprüft – vom Mieterstrom bis zur gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung.

Das Ergebnis: Martins Wunschlösung ist die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Ein Modell, das sich in Deutschland zunehmend etabliert und mit der Unterstützung spezialisierter Dienstleister gut umsetzbar ist. Da der Aufwand für die Umsetzung aktuell noch nicht zu stemmen war, entschied sich Martin zunächst für einen pragmatischen Zwischenschritt.

Der pragmatische Einstieg: erst mal selbst nutzen

Statt sich von der Komplexität ausbremsen zu lassen, entschied sich Martin für einen klaren ersten Schritt: Die Anlage wird zunächst von ihm selbst betrieben und genutzt.

Das bedeutet:

  • Martin und seine Lebensgefährtin investieren in die Anlage
  • sie betreiben sie eigenständig
  • und zahlen eine Pacht an die WEG für die Nutzung der Dachfläche

Der erzeugte Strom wird aktuell im eigenen Haushalt genutzt, Überschüsse gehen ins Netz. Die Idee bleibt aber bestehen: Langfristig soll der Strom im Haus geteilt werden – über die sogenannte gemeinschaftliche Gebäudeversorgung.

Die Anlage: durchdacht und bewusst einfach

Installiert wurde eine Photovoltaikanlage mit:

  • 16 kWp Leistung
  • sowie einem 15 kWh Batteriespeicher im Keller
Installierter Taubenschutz bei einer Photovoltaik-Anlage
© KEK

Installierter Taubenschutz

Außerdem wurden die Module mit einem Taubenschutz ausgestattet, der gleichzeitig auch vor Mardern schützt. Photovoltaik-Anlagen sind beliebte Nistplätze für Tauben. Daher sollte bereits bei der Installation der Photovoltaik-Anlage ein fachgerechter Taubenschutz berücksichtigt werden.

Tipp: Wenn das Gerüst schon steht …

Während der Installation zeigte sich ein unerwarteter Nebeneffekt: Am Dach wurde eine undichte Stelle entdeckt. Ein Glück im Unglück, denn durch das bereits aufgebaute Gerüst konnte der Schaden direkt mit behoben werden.

Tipp für andere WEGs:
Wenn ohnehin Arbeiten am Dach anstehen, lohnt es sich immer zu prüfen, ob weitere Maßnahmen gleich mit erledigt werden können.

Und wie läuft es jetzt?

Die Anlage ist bereits installiert, aber noch nicht am Netz. Die WEG wartet aktuell auf den notwendigen Zähler vom Netzbetreiber, um den Betrieb vollständig starten zu können.

Martin (Miteigentümer einer WEg) steht auf dem Dach, wo gerade Photovoltaik installiert wurde.
© KEK

Trotzdem ist für Martin klar: Der Schritt hat sich gelohnt. „Prozesse in der WEG erfordern Geduld. Die habe ich“, sagt er. Wir werden berichten, wenn Martin den PV-Strom mit seinen Nachbarinnen und Nachbarn im Haus teilen kann.

Heute schon an morgen denken

Noch wird im Haus mit Gasetagenheizungen geheizt. Doch Martin denkt weiter: „Falls die Gasheizungen irgendwann durch Wärmepumpen ersetzt werden, bei uns oder auch bei anderen im Haus, steigt der Strombedarf. Dann macht der lokale Solarstrom mit Speicher so richtig Sinn.“ Noch ist das Zukunftsmusik. Aber die Grundlage ist gelegt.

Was andere WEGs daraus mitnehmen können

  • Einfach anfangen: Perfekte Lösungen können unter Umständen auch später kommen.
  • Pragmatische Zwischenschritte wählen: Zuerst PV-Strom ins Netz einspeisen (und selbst nutzen), später mit dem Haus teilen.
  • Geduld mitbringen: Prozesse in der WEG brauchen Zeit.

Und vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Auch in einer WEG ist Photovoltaik möglich – wenn jemand den ersten Schritt macht.

Wir kommen in Ihre Eigentümerversammlung

Sie sind auch Teil einer WEG und möchten eine Photovoltaik-Anlage installieren? Unsere Beraterinnen und Berater unterstützen Sie gerne. Buchen Sie bequem online einen Termin oder rufen Sie uns an unter 0721 / 480 88 250.

Auch spannend:

Die Fassade des Hauses ist zu sehen. die Fassade ist mit Holzbalken geschmückt.

Haus Dachverstand

Bruno ist Wohnungseigentümer und Hausverwalter eines Mehrfamilienhauses. Er weiß: Energie sparen lohnt sich – für den Geldbeutel und fürs Klima. Einige Maßnahmen zur energetischen Sanierung hat er schon umgesetzt. Im Keller steht die Wärmepumpe und auf dem Dach ist die PV-Anlage installiert.
"Haus Durchblick" im gesamten zu sehen. Weiße Fassade mit großen Fenstern.

Haus Durchblick

Vom Tante-Emma-Laden zum KfW-40-Haus. Sarah und ihre Familie haben das Haus aus den 60ern in Hohenwettersbach umfassend saniert – mit Überraschungen, neuer Technik, Rundum-Dämmung und eigener Stromerzeugung vom Dach. Wie sie das geschafft haben? Das erfahren Sie im Beitrag.
Ein Mehrfamilienhaus ist von außen zu sehen. Es handelt sich um einen Altbau in rot und beigen Farben.

WEG Weitblick

Was kann entstehen, wenn mehrere Eigentümerinnen und Eigentümer eines Mehrfamilienhauses gemeinsam handeln? In der Karlsruher Oststadt zeigt eine Wohneigentümergemeinschaft, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien auch in einem Altbau erfolgreich gelingen kann.

Passende Events

Auf dem Bild ist ein Mehrfamilienhaus zu sehen, auf dessen Dach Photovoltaik-Module installiert sind.

Sonnenstrom fürs Mehrfamilienhaus – Betriebskonzepte unter der Lupe

09.06.26
Gemeinsam zur eigenen Solaranlage: Wir zeigen im Online-Vortrag am 09.06. um 17 Uhr, welche Betriebskonzepte zu Ihrem Mehrfamilienhaus passen.
Zwei Energieberaterinnen und Energieberater der KEK stehen vor einem Haus und hören einem Hausbesitzer dabei zu, wie er über sein neues nachhaltiges Projekt berichtet.

Spazier‘ mit – Bergwald zeigt seine Sanierungsbeispiele

23.06.26
Am 23. Juni von 17 bis 18:30 Uhr zeigen Hauseigentümerinnen und -eigentümer ihre durchgeführten Sanierungsmaßnahmen.
IN einem Fyoer stehen viele Infostände an denen sich Menschen infromieren zum Thema Photovoltaik.

Photovoltaik erleben • Ideen, Tipps, Lösungen für Ihr Zuhause.

15.07.26
Sonne auf dem Dach, Strom in der Steckdose – und Sie wissen wie es geht. Am 15. Juli ab 17:30 Uhr in Karlsruhe: kostenfreie Info-Veranstaltung mit PV-Marktplatz, Praxisberichten und Expertinnen und Experten.

Wir helfen beim Klimaschutz für:

Wir helfen beim Klimaschutz für: