MEILLER-Kipper Firmengelände in Karlsruhe.
© F. X. MEILLER Fahrzeug- und Maschinenfabrik GmbH & Co KG

MEILLER-Kipper

MEILLER-Kipper hat seine Prozesse mit einfachen Maßnahmen angepasst und spart nun deutlich Energie. Wie das gelang? Das Ergebnis ist erstaunlich. Jetzt lesen!

Kleine Maßnahmen, große Wirkung

In den Hallen an der Wachhausstraße wird geschweißt, gespritzt und montiert. Hier entstehen die Kippaufbauten für Lkw, die anschließend auf Baustellen und in Recyclinghöfen im Einsatz sind.

Die F. X. MEILLER Fahrzeug- und Maschinenfabrik GmbH & Co KG, ein 1850 gegründetes Familienunternehmen mit Stammwerk in München, betreibt in Karlsruhe einen Produktionsstandort mit rund 115 Mitarbeitenden. Hier werden Fahrzeugaufbauten grundiert, lackiert und montiert. Energieintensive Prozesse also, bei denen Wärme, Druckluft und Strom in großen Mengen gebraucht werden. Die Prozesse wollte Helge Weber, Leiter des Fahrzeugbaus optimieren und schaute sie sich genauer an. Er gelangte zu einem erstaunlichen Ergebnis.

MEILLER fertigt Kippaufbauten für Lkw

Heute lesen Sie:

  • Was bringt es wirklich, wenn man die eigenen Prozesse genau unter die Lupe nimmt?
  • Welche Maßnahmen haben die größten Auswirkungen – ohne hohe Ausgaben?
  • Und wie nimmt man die Belegschaft mit?

Der Anstoß: die Energiekrise

Als die Energiepreise 2022 explodierten, war MEILLER Karlsruhe zunächst nicht unmittelbar betroffen, da langfristige Verträge mit den Energieversorgern für Preisstabilität sorgten. Doch Helge Weber stellte sich eine andere Frage: Welche Folgen hat es, wenn Gas teurer wird und vor allem nicht mehr kontinuierlich verfügbar ist?

Der Antrieb war also weniger die Teuerung als vielmehr die Versorgungssicherheit. Die Schlussfolgerung war einfach: Wer weniger braucht, steht besser da, egal was passiert. Bei seiner Recherche stieß Weber auf den KEFF+Check, ein kostenloses Angebot für Ressourceneffizienz, das in Karlsruhe von der KEK begleitet wird. Der im Juni 2022 durchgeführte Check war der Startschuss für Energieeinsparungen im Unternehmen.

© F. X. MEILLER Fahrzeug- und Maschinenfabrik GmbH & Co KG

Firmengelände von MEILLER in Karlsruhe-Durlach

Die Maßnahmen: Wenig Aufwand, viel Wirkung

Was dann an Energieeinsparungen umgesetzt wurde, ist kein großes Investitionsprogramm. Es sind Beobachtungen, genaue Analysen und Verhaltensänderungen. Das sind die Maßnahmen im Überblick:

Aufheizzeiten der Trocknerkabine analysiert – 1,5 Stunden täglich gespart

Wie lange braucht die Anlage zum Aufheizen? Wie lange hält die Wärme nach dem Abschalten noch an?

Die Trocknungsanlage startet nun um 6 Uhr statt um 5 Uhr, da vorher keine Werkstücke durchfahren. Abgeschaltet wird um 21:30 Uhr statt um 22 Uhr, da die Restwärme ausreicht. Täglich eineinhalb Stunden weniger Betrieb. Investition: 0 Euro. Umsetzung: eine neue Arbeitsanweisung.

Brennkammer nachts abschalten

In der Brennkammer werden Lösemittel aus der Abluft bei 700 Grad Celsius nachverbrannt – das ist eine gesetzliche Auflage. Da wiederholtes An- und Abschalten die Brennkammer jedoch stärker verschleißt, lief sie bisher rund um die Uhr unter der Woche, obwohl nachts gar keine Werkstücke getrocknet wurden.

Die Abwägung fiel zugunsten der Energieeinsparung aus. Die Anlage wird nun nachts und am Wochenende abgeschaltet. Die Brennkammer hat dadurch eine etwas kürzere Lebensdauer, dafür werden jedoch 500 Megawattstunden (MWh) Energie pro Jahr eingespart.

Druckluft: Leckagen orten, Ventil einbauen

Der Kompressor wird elektrisch betrieben und versorgt über ein weitverzweigtes Leitungsnetz das gesamte Werk. Es können viele kleine undichte Stellen entstehen, durch die Druckluft verloren geht.

Die Leckagen wurden per Ultraschallmessung geortet und abgedichtet. Zusätzlich schaltet ein zeitgesteuertes Magnetventil die Anlage abends und am Wochenende automatisch ab. Kosten: rund 3.000 Euro. Nutzen: Weniger Energieverlust. Das bedeutet eine Einsparung bereits ab dem 2. Jahr.

Schnelllauftore: Einfach niedriger öffnen

Die großen elektrischen Tore in den Hallen fahren für Lkw-Durchfahrten standardmäßig bis auf vier Meter hoch. Meistens fahren nur Schlepper mit Lackierwägen hindurch. Jedes Öffnen kostet Heizwärme, und je weiter das Tor geöffnet ist, desto mehr Wärme geht verloren.

Die Tore öffnen ab sofort nur noch auf drei statt auf vier Meter

Die Lösung: Drei Meter als neue Standardhöhe, per Knopfdruck programmiert. Wer mehr braucht, drückt noch einmal. Investition: 200 Euro pro Tor.

Jobrad und Fahrradparkplatz

Es braucht nur einen überdachten Fahrradparkplatz direkt am Eingang, dazu ein Jobrad-Angebot. „Seit dieser Maßnahme stehen deutlich mehr Räder auf unserem Hof!“, so Weber.

Stapler: Von Diesel auf Elektro – mit Blick auf die Zukunft

Schritt für Schritt werden Dieselstapler durch Elektrostapler ersetzt, allerdings erst, wenn ein Fahrzeug das Ende seiner Lebenszeit erreicht hat. Der Blick geht dabei schon Richtung Zukunft: Photovoltaik auf dem Dach ist das nächste Ziel. Wenn die Dächer in Zukunft erneuert werden müssen, soll Photovoltaik gleich mit eingeplant werden. Und je mehr Elektrostapler dann im Einsatz sind, desto mehr lohnt sich der selbst produzierte Strom.

Was bringt das alles?

In den letzten Jahren wurden am Standort Karlsruhe jährlich rund 1.273 Tonnen CO₂ eingespart, was dem Jahresverbrauch von etwa 150 Haushalten entspricht. Die finanziellen Einsparungen liegen bei mehreren 100.000 Euro pro Jahr.

Wichtig zu wissen: Diese Zahlen sind nicht allein auf die beschriebenen Maßnahmen zurückzuführen. Gleichzeitig wurden Produktionsprozesse umgestellt und Stückzahlen verändert. Die Richtung ist aber eindeutig und bemerkenswert.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Prozesse wirklich verstehen: Wer weiß, wie seine Abläufe funktionieren, findet Hebel, die vorher unsichtbar waren.
  • Klein anfangen: Die „Low Hanging Fruits“ bringen oft mehr als erwartet und kosten wenig bis nichts.
  • Belegschaft mitnehmen: Verhaltensänderungen halten nur, wenn die Menschen dahinterstehen. Erfolge müssen kommuniziert werden, da man sonst leicht in alte Gewohnheiten zurückfällt.
  • Ideen aus der Belegschaft holen: Einzelne Motivierte können viel bewegen.

Einen wichtigen Baustein auf dem Weg zu den Energiespar-Maßnahmen bildete der Austausch mit anderen Unternehmen. Über das Klimaneutralitätsnetzwerk, moderiert vom Institut IREES, tauschte sich MEILLER drei Jahre lang mit anderen Karlsruher Betrieben aus, darunter auch direkte Nachbarn im Industriegebiet. Die Erfahrung: Alle stehen vor denselben Herausforderungen. Wer fragt, wie der Nachbar ein Problem gelöst hat, spart sich oft monatelange Umwege. Das Netzwerk hat seine offizielle Laufzeit beendet, doch die Suche nach Partnern für eine Fortsetzung läuft bereits.

Hier setzt die KEK an

Sie möchten auch Ihren Betrieb energetisch fit machen? Der KEFF+-Check ist der erste Schritt – kostenlos, unverbindlich und mit konkreten Handlungsempfehlungen. Die KEK unterstützt Sie dabei. Buchen Sie noch heute ein kostenloses Beratungsgespräch.

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