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Freie evangelische Gemeinde Neureut-Heide

Heizen mit Wärmepumpe in einem Gemeindezentrum? Und das in einem schlecht gedämmten Altbau aus den 1950er Jahren? Die Freie evangelische Gemeinde Karlsruhe hat genau das mit einem cleveren Heizsystem umgesetzt.

Steckbrief Gemeindezentrum der FeG

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Baujahr: Altbau 1950er Jahre + Gemeindesaal 1990er Jahre
Typ: Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde Karlsruhe (feg-karlsruhe.de)
Steht: in Neureut-Heide
Merkmale: belegungsabhängige Heizung und Kühlung: Die Räumlichkeiten werden nur dann voll beheizt oder klimatisiert, wenn Sie auch genutzt werden.
Zustand vorher: Ölheizung von 1994, schlecht gedämmte Gebäudehülle
Zustand nachher: Luft-Wasser-Wärmepumpe (Grundlast), Luft-Luft-Wärmepumpe (nach Bedarf), Photovoltaik-Anlage mit Stromspeicher

 

Heizen mit Wärmepumpe in der Kirchengemeinde

Heizen mit Wärmepumpe in einem Gemeindezentrum? Und das in einem schlecht gedämmten Altbau aus den 1950er Jahren? Die Freie evangelische Gemeinde Karlsruhe hat genau das mit einem cleveren Heizsystem umgesetzt, das auf die besondere Nutzung eines Gemeindezentrums zugeschnitten ist. Lesen Sie mehr über dieses besondere Projekt.

Heute lesen Sie:

  • Warum ein Gemeindezentrum besondere Anforderungen an eine Heizung stellt
  • Wie das clevere Zwei-Wärmepumpen-System funktioniert
  • Welche unerwarteten Hürden das Projekt mit sich brachte

Eine Gemeinde wächst und denkt nach vorne

Vor 30 Jahren zählte die Freie evangelische Gemeinde (FeG) Karlsruhe-Neureut 120 Mitglieder. Heute sind es 500 Erwachsene, dazu kommen rund 100 Kinder und Jugendliche. Mit dem Wachstum stieg auch der Platzbedarf und irgendwann stellte sich die Frage: Umzug? Neubau? Die Gemeinde entschied sich bewusst dagegen. „Wir bleiben und investieren und packen es richtig an:  nachhaltig und zukunftsfähig.“

Im Jahr 2022 spitzte sich die Lage zu, da die alte Ölheizung aus dem Jahr 1994 immer häufiger Probleme bereitete. 2024 fiel der Beschluss, dass eine neue Heizung her muss. Dafür gründete die Gemeinde ein Energie-Team und begann mit der Recherche. Über das Klimaschutz-Netzwerk christlicher Kirchen in Karlsruhe kam der Kontakt zu einer Energieberaterin  zustande.

Thomas Müller-Heinzerling ist seit 26 Jahren Mitglied der Gemeinde und hat das Projekt von Anfang an begleitet. Der Physiker im Ruhestand brachte nicht nur technisches Verständnis, sondern auch den Blick für das große Ganze mit: „Schnell stand fest, dass es eine Heizung mit erneuerbaren Energien sein soll, auch wenn diese Lösung  etwas mehr kosten würde als eine neue Öl- oder Gasheizung.“

Die besondere Herausforderung: Heizen für 250 Personen – oder für niemanden

Ein Gemeindezentrum ist kein Wohnhaus. Die Räume stehen teilweise leer, werden aber regelmäßig von bis zu 250 Personen gleichzeitig genutzt. Wer das gesamte Gebäude dauerhaft auf Wohntemperatur hält, heizt im Wesentlichen für leere Stühle. Wer es dagegen vollständig auskühlen lässt, braucht beim nächsten Gottesdienst Stunden, um die Räume wieder auf eine angenehme Temperatur zu bringen.

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Das Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde in Neureut-Heide

Die Lösung: Eine Grundtemperatur von 18°C im gesamten Gebäude und zusätzliche Wärme (oder Kühlung im Sommer) nur dann, wenn Räume tatsächlich belegt sind. Verkehrsflächen und Nebenräume bleiben bei 18°C. Die Steuerung wird wöchentlich nach aktuellem Belegungsplan programmiert und alle Thermostate wurden zu diesem Zweck durch digital steuerbare Geräte ersetzt.

Das Herzstück: Zwei Wärmepumpen, die sich ergänzen

Das Heizsystem kombiniert zwei unterschiedliche Wärmepumpen-Typen:

Luft-Wasser-Wärmepumpen (Grundlast): Eine Kaskade aus zwei Geräten mit je 13,5 Kilowatt versorgt das gesamte Gebäude mit Grundwärme. Ein 720-Liter-Pufferspeicher gleicht Schwankungen aus. Die Vorlauftemperaturen sind auf die unterschiedlichen Heizkreise abgestimmt. Die Fußbodenheizung im Saal (90er-Anbau) läuft mit 23–28°C, die Heizkörper im Altbau benötigen an kalten Tagen 40–50°C.

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Thomas Müller-Heinzerling vor einer der beiden Luft-Wasser-Wärmepumpen

Luft-Luft-Wärmepumpen (nach Bedarf): Die Geräte sind im Gebäude verteilt, können kühlen und sorgen für eine bedarfsgerechte Temperierung. Sie heizen einen leeren Raum vor der Nutzung schnell auf und können im Sommer auch kühlen. Die Geräte sind besonders praktisch: Wenn sich niemand im Raum befindet, läuft die Aufheizphase auf einer höheren Stufe. Sind Personen anwesend, wechselt das Gerät in einen ruhigeren Betrieb mit geringem Gebläse, sodass kein störendes Geräusch oder unangenehmer Luftzug bei den Veranstaltungen entsteht.

Photovoltaik: Auf dem Dach wurde eine Photovoltaik-Anlage mit 29 Kilowatt-Peak installiert. Sie wird durch einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 34 Kilowatt-Stunden ergänzt. Der Speicher ist oft schon mittags voll, selbst im Frühjahr. Der selbst erzeugte Strom treibt die Wärmepumpen an und senkt die Betriebskosten deutlich.

Finanzierung: Mit Förderung und Rücklagen

Das Gesamtprojekt kostete rund 140.000 Euro. Die Gemeinde erhielt eine Förderung von 30 Prozent und trug den verbleibenden Betrag aus eigenen Rücklagen – die Kosten für die neue Elektrik nicht eingerechnet (dazu weiter unten mehr). Die jährliche Einsparung liegt bei rund 10.000 Euro: kein Öl mehr, Strom vom eigenen Dach.

Was das Projekt ins Stolpern brachte

Neben der neuen Heiztechnik wurde auch der Eingangsbereich des Gebäudes modernisiert, es wurden neue Türen und eine neue Verglasung eingebaut und der ehemalige Öltank-Raum wurde mit neuen Fenstern zu einem nutzbaren Raum ausgebaut. Kein größeres Sanierungsprojekt verläuft jedoch ohne Überraschungen. Beim Umbau des Eingangsbereichs kam ans Licht, dass einige Wände hinter den abgehängten Decken lediglich aus zwei Zentimeter starkem Sperrholz bestanden. Die Folge war ein enormer Heizverlust. Dies wurde durch die neuen Türen und Fenster behoben.

 
Noch aufwendiger wurde es bei der Elektrik: Der bestehende Zählerschrank war zu klein und die Leistung für die neuen Anlagen nicht ausreichend. Die eingebauten neuen Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) schalteten wiederholt ab, da die alten Leitungen aus den 1950er Jahren nicht mehr in Ordnung waren. Die Fehlersuche zog sich über zwei Monate hin. Thomas Müller-Heinzerlings Rat für alle, die ein ähnliches Projekt planen: „Mehr Zeit für die Elektrik einplanen, als man denkt.“ Bei der Planung von erneuerbaren Energien im Haus empfehlen wir von der KEK immer, den Zählerschrank bzw. den Elektrofachbetrieb mitzudenken. Ob Ihre Hauselektrik für die modernen Technologien bereit ist, erfahren Sie hier.

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Neue Elektrik für das Gebäude aus den 50er-Jahren

Auch das Einholen und Vergleichen von Angeboten erwies sich als schwieriger als erwartet: Jeder Betrieb stellte die Positionen anders zusammen, sodass ein direkter Vergleich kaum möglich war. Hier kann eine fachliche Angebotsprüfung durch die KEK wertvolle Orientierung geben.

Nach dem ersten Winter: Zufrieden und neugierig

Der erste Winter mit dem neuen System ist vorbei, und alles lief rund. „Keiner hat gefroren“, stellt Thomas Müller-Heinzerling lächelnd fest. Die Steuerung per App macht Spaß, und das Optimierungspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Beispielsweise bei der Feinjustierung der Zeiteinstellungen:  Wie viele Minuten vor einer Veranstaltung sollte ein Raum vorgeheizt werden? Wann lohnt es sich, die Heizung abzuschalten, wenn 250 Personen durch ihre Körperwärme selbst für Wärme sorgen? „Wir bleiben dran“, sagt Müller-Heinzerling.

Sein Fazit für andere Gemeinden und Vereine lautet: Die Kombination aus Luft-Wasser- und Luft-Luft-Wärmepumpe ist für Gebäude mit wechselnder Belegung besonders empfehlenswert. Und: Eine feste Ansprechperson im Verein oder in der Gemeinde, die das Projekt begleitet und später die Erträge im Blick behält, ist unverzichtbar.

Sie haben Interesse an einer kostenfreien Energieberatung für Ihren Verein oder Ihre Gemeinde? Rufen Sie gerne unsere Expertinnen und Experten an: 0721 480 88 22.

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