Warum bei diesem Bürogebäude die Kühlung wichtiger war als die Heizung
Ein Heizungsbetrieb, der ein neues Bürogebäude plant, setzt selbstverständlich auf eine besonders effiziente Wärmeversorgung. Oder?
Als die Jäger Heizung-Sanitär GmbH in Karlsruhe-Bulach zusätzliche Büroflächen benötigte und eine Aufstockung des Bestandsgebäudes nicht möglich war, entschied sich Frank Jäger als Bauherr für einen dreigeschossigen Büroneubau. Dieser wurde mit moderner Technik und sehr gutem Wärmeschutz nahe am Passivhausstandard gebaut;. Bei der Planung zeigte sich schnell: In einem so gut gedämmten Gebäude spielt das Heizen eine vergleichsweise geringe Rolle. Wichtiger war, auch effizient zu kühlen. Deshalb entstand ein Energiekonzept, das ebenso die zunehmend heißen Sommer in den Blick nimmt. Die Jäger Heizung-Sanitär GmbH nutzt das Gebäude als Mieterin.
Heute lesen Sie:
- Wie aus einem Provisorium ein Bürogebäude mit sehr gutem Wärmeschutz nahe am Passivhausstandard wurde
- Warum bei der Planung die Sommermonate eine wichtige Rolle spielten
- Wie bestehende Technik sinnvoll weitergenutzt und ergänzt wurde
Steckbrief Jäger Heizung-Sanitär GmbH

Baujahr: Lagerhalle 1992, Büroneubau 2016
Bauherr und Eigentümer: Frank Jäger
Nutzung: Bürogebäude der Jäger Heizung-Sanitär GmbH als Mieterin
Steht: in Bulach
Merkmale: Sehr guter Wärmeschutz nahe am Passivhausstandard, (ohne Passivhaus-Zertifizierung); die Gebäudetechnik wurde vor allem für angenehme Temperaturen im Sommer ausgelegt
Zustand vorher: Provisorische Büroräume in der bestehenden Lagerhalle, Pelletheizung, Solarthermie und Photovoltaik-Anlage
Zustand nachher: Erweiterung durch einen energieeffizienten Neubau mit Geothermie, Wärmerückgewinnung und intelligenter Steuerung
Vom Provisorium zum energieeffizienten Bürogebäude
Die Geschichte des Bürogebäudes beginnt bereits 2005. Damals wurden in der bestehenden Lagerhalle Büroräume eingerichtet. Mit dem Wachstum des Unternehmens stieß diese Lösung jedoch zunehmend an ihre Grenzen. „Uns war klar, dass wir langfristig mehr Platz brauchen würden“, erinnert sich Frank Jäger. Als Bauherr ließ er den Neubau errichten und ist bis heute Eigentümer des Gebäudes. Die Jäger Heizung-Sanitär GmbH nutzt die Räume als Mieterin.
Zunächst wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft. Eine Aufstockung der bestehenden Halle kam aus statischen Gründen nicht infrage. Daher entschied sich Frank Jäger für einen eigenständigen Büroanbau. Wegen der begrenzten Fläche auf dem Grundstück entstand 2016 ein kompakter dreigeschossiger Neubau mit einer Grundfläche von lediglich acht mal acht Metern. Gebaut wurde er innerhalb von neun Monaten und bei laufendem Betrieb.

Energieeffizienter Neubau mit einer Grundfläche von acht mal acht Metern
Kühlen statt Heizen im Fokus
Bei der Planung des Gebäudes wurde schnell klar, dass ein sehr gut gedämmtes Bürogebäude anders funktioniert als ein herkömmlicher Bau. Die Holzständerbauweise mit hochwirksamer Zellulosedämmung, die dreifach verglasten Fenster und die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung reduzieren den Heizenergiebedarf erheblich. Die Ausführung orientiert sich damit am Passivhausstandard, auch wenn keine Zertifizierung durchlaufen wurde. Für Frank Jäger war es wichtig, dass das Gebäude nicht nur bei Kälte, sondern auch bei extremer Hitze eine angenehme Raumtemperatur zum Arbeiten bietet.
Deshalb fiel die Entscheidung für ein Energiekonzept, das nicht nur das Heizen, sondern vor allem die Kühlung in den Blick nimmt. Das Büro wird über ein Deckensystem geheizt und gekühlt. Für die Kühlung wird Energie aus dem Erdreich genutzt: Acht Erdsonden mit einer Tiefe von jeweils 28 Metern liefern ganzjährig Temperaturen von etwa 12 bis 14 Grad Celsius. So lassen sich die Büroräume mit sehr geringem Energieaufwand angenehm temperieren. „Gerade mit Blick auf die immer heißer werdenden Sommer würden wir die Erdsonden jederzeit wieder einsetzen“, sagt Frank Jäger.

Frank Jäger vor dem Pellet-Heizkessel
Bestehende Technik sinnvoll ergänzt
Eine Besonderheit dieses Projekts ist die Kombination verschiedener Technologien. Anstatt die bestehenden Anlagen vollständig zu ersetzen, wurden die bereits vorhandenen Systeme des Bestandsgebäudes gezielt in das neue Energiekonzept integriert.
Bestandsgebäude:
- Pelletheizung mit Pufferspeicher
- Solarthermieanlage zur Heizungsunterstützung
- Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 19,5 Kilowatt-Peak
Der Neubau wurde deshalb so geplant, dass der vorgesehene Umstieg auf eine Sole-Wasser-Wärmepumpe ohne großen Aufwand möglich ist. Intelligente Steuerungen unterstützen dabei, das Gebäude möglichst effizient zu betreiben. So werden beispielsweise die Jalousien automatisch gesteuert und die Temperaturen in den einzelnen Räumen bedarfsgerecht geregelt.
Neubau:
- Kühlung mit Geothermie
- Heizen mit bestehender Pelletheizung
- Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
- Intelligente Steuerung
Auch die Lüftungsanlage spart Energie: Durch die Wärmerückgewinnung wird die Wärme der Abluft über einen Wärmetauscher an die frische Außenluft abgegeben, ohne dass sich die Luftströme vermischen. So bleibt die Wärme im Haus und es wird Heizenergie gespart.
Wie Heizkosten im Neubau gespart werden
Die Pelletheizung heizt sowohl den Neubau als auch das Bestandsgebäude. Obwohl es sich um die gleiche Heizung handelt, ist der Aufwand unterschiedlich: Beim Altbau muss das Wasser zum Heizen auf circa 65 Grad erwärmt werden, beim Neubau nur auf circa 25 Grad. So groß ist der Unterschied bei der benötigten Heizenergie.
Das bedeutet: Eine gute Dämmung macht einen großen Unterschied beim Heizen und im Geldbeutel.
Elektromobilität gleich mitgedacht
Nicht nur beim Gebäude setzte die Jäger Heizung-Sanitär GmbH früh auf nachhaltige Lösungen. Bereits im Jahr 2014 wurde das erste Elektrofahrzeug angeschafft. Heute sind alle Pkw und ein Transporter elektrisch unterwegs.

Der Betrieb setzt auf E-Autos
Tipps für andere Handwerksbetriebe oder Unternehmen
Wer einen Neubau plant oder ein bestehendes Gebäude modernisieren möchte, sollte nach Ansicht von Frank Jäger vor allem die Sommermonate stärker berücksichtigen: „Früher lag der Fokus oft auf dem Heizen. Heute wird die Kühlung immer wichtiger.“
Außerdem empfiehlt er, die vorhandene Technik genau zu betrachten und sie sinnvoll weiterzuentwickeln. Beim Bürogebäude in Bulach konnten die bestehende Pelletheizung, die Solarthermieanlage und die PV-Anlage weitergenutzt und in das neue Energiekonzept integriert werden. Frank Jäger hat auch einen Rat bei der Nutzung erneuerbarer Energien: Bei Gebäuden mit geringem Warmwasserbedarf sollte genau geprüft werden, welche Technologie den größten Nutzen bringt. So unterstützt die Solarthermieanlage hier beispielsweise die Heizung in den Übergangszeiten. Im Sommer wird die erzeugte Wärmeenergie jedoch kaum benötigt. Rückblickend hätte er daher die gesamte Dachfläche mit Photovoltaik belegt, da der erzeugte Strom vielfältig genutzt, gespeichert oder ins Netz eingespeist werden kann.
Der Blick nach vorn
Perspektivisch soll die bestehende Photovoltaik-Anlage noch stärker für den Eigenverbrauch genutzt werden. Sobald die Einspeisevergütung ausläuft, ist die Anschaffung eines Batteriespeichers geplant. So könnte künftig ein Großteil des selbst erzeugten Stroms direkt vor Ort genutzt werden.
Anstatt alles neu zu denken, setzte Bauherr Frank Jäger auf die intelligente Weiterentwicklung bestehender Technik. Das Ergebnis ist ein Bürogebäude nahe am Passivhausstandard, das zeigt, wie sich sehr guter Wärmeschutz und unterschiedliche Technologien zu einem stimmigen Gesamtkonzept verbinden lassen.
Sie haben Interesse an einer kostenfreien Energieberatung für Ihren Betrieb, Ihren Verein oder Ihr Unternehmen? Rufen Sie gerne unsere Expertinnen und Experten an: 0721 480 88 22.