Das Cabrio-Haus #2

Seit unserem letzten Besuch hat sich bei „Max:mini“ viel getan: Der alte Kamin ist weg, das Innere freigelegt und das Dach aufgestockt. Warum das Haus zwischendurch zum „Cabrio-Haus“ wurde – und weshalb Geduld bei dieser Sanierung eine echte Ressource ist, erzählen wir hier.

#Sanierungsstory
Max:mini

Von gemütlichen 100 Quadratmetern auf kompakte 70 schrumpfen? Und das als vierköpfige Familie mit Zwillingen in einem über 120 Jahre alten, unsanierten Backhäuschen? Diese mutige Vision von Pia und Benjamin („Shrink Positive!“) ist mittlerweile staubige Realität geworden: Zwischen Vision und Einzug liegt ein Hürdenlauf, der vor allem eines erfordert: einen langen Atem – und einen Hammer.

In unserer Reihe #Sanierungsstory dürfen wir Menschen in Karlsruhe bei unterschiedlichsten (energetischen) Sanierungsprojekten begleiten. Vor welchen Herausforderungen sie stehen? Wie – und ob – sie diese meistern? Erzählen wir hier!

Über unsere #Sanierungsstory berichten wir auch auf unseren Social-Media-Kanälen.

Auf den Punkt gebracht

„Geduld ist auch eine Ressource“, sagt Pia heute mit einem Schmunzeln. Wer im Bestand saniert, plant nicht nur mit Steinen, sondern mit Hürden. Ein ganzes Jahr hat der Genehmigungsprozess gedauert. Von der ersten Bauvoranfrage im Frühjahr 2024 über diverse nachgeforderte Unterlagen und Abstimmungsprozesse bis hin zur unfreiwilligen (aber sehr konstruktiven) Umplanung der Firstrichtung.

Im Mai 2025 ist er dann endlich da: der Rote Punkt, das offizielle „Go“ für den Umbau. Eine Verzögerung von fast vier Monaten gegenüber dem Idealplan, aber Pia und Benjamin haben ihr Haus im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Punkt gebracht“. Der Startschuss für das Projekt „Max:mini“ in der realen Welt ist gefallen.

Hausbesitzer Pia und Benjamin.

Das Paar Pia und Benjamin

Baujahr: 1984 & 1985
Typ: Archtiketin und Bauingenieur
Steht: auf ungewöhnliche Lösungen
Merkmale: Energiebilanz positiv
Zustand: voll Vorfreude
Substanz: Fundiert und Zukunftsfest

Das Backhaus ist von außen zu sehen. Ein altes Backsteingebäude.

Max:mini

Baujahr: ca. 1900
Typ:
Altes Backhäuschen
Steht:
in Rüppurr am Wasser
Merkmale:
Stockwerkseigentum
Zustand:
Kernsanierungsbedürftig
Substanz:
alt, aber hält

Ein Start oben ohne

Der Sommer 2025 steht im Zeichen der Vorbereitung und viel Eigenleistung: Während im Hintergrund die letzten Details zu Statik und Hausanschluss geklärt werden, fliegen auf der Baustelle endlich die Steine. Einerseits wird mit tatkräftiger Unterstützung eines Nachbarn der alte Kamin rückgebaut. Andererseits wird das Innere entkernt. Und die harte Arbeit beim Innenabbruch wird sofort belohnt! Sie legt ein wunderschönes, altes Sichtmauerwerk frei.

Das Beste daran: Bis heute gibt es bei der betagten Bausubstanz keine bösen Überraschungen – ein echter Grund zum Feiern!

Schließlich fällt im Oktober der Startschuss für die geplante Dachaufstockung und Mitte November ist das alte Dach dann komplett abgetragen. Das Haus steht buchstäblich „oben ohne“ da – ein Cabrio-Haus, das mit einer hellgrünen Plane wie ein temporäres Soft-Top-Verdeck geschützt ist. Pünktlich zum Jahresende ist das ein faszinierender Anblick, der die provisorische, aber mutige Natur dieses Sanierungsprojekts zeigt.

Im April 2026 könnte das neue Dach längst fertig sein. Und zu 90% ist es das auch, nur ein entscheidendes Detail fehlt: Das benötigte Brandschutzfenster im Dach hat eine unglaubliche Lieferzeit von 6,5 Monaten. Erst wenn dieses Fenster da ist, können die Zimmerleute die letzten 10 % des Daches abschließen und „Max:mini“ sein provisorisches Verdeck endgültig ablegen.

Und was wird aus dem alten Dach? Wer Teil 1 dieser #Sanierungsstory gelesen hat, weiß, dass Pia und Benjamin nachhaltig planen und konsistent handeln. Was mit dem alten Dach-Material geschieht, ist folgerichtig …

Urban Mining: Konsistenz ist Handarbeit

Konsistenz, also die Wiederverwendung bestehender Materialien, ist ein wichtiger Aspekt für die Bauherren! Das beweist Benjamin mit Muskelkraft.

Acht Stunden lang steht er in der Werkstatt, um händisch jeden einzelnen Nagel aus den alten Dachbalken zu ziehen. Eine mühsame Arbeit, die keine Maschine ersetzen kann. Doch der Schweiß lohnt sich. Denn das alte Material bekommt in Bauphase 2 ein neues Leben:

  • Die alten Balken sollen für die Konstruktion der neuen Holztreppe und für den Bau von Möbeln und Trockenbauwänden genutzt werden.
  • Die alten, rückgebauten Fliesen werden in den neuen Bädern wieder verlegt, wo laut DIN-Norm eine Abdichtung zwingend nötig ist.
  • Die rückgebauten Klinkersteine werden für die neue Fassade des Daches wiederverwendet.

Max:mini wird also nicht nur saniert – er wird recycelt.

KEK-Kommentar:
 „Das Haus als Rohstofflager ist eine Königsdisziplin der Nachhaltigkeit: Es spart massiv CO₂, das sonst für die Herstellung neuer Baustoffe nötig wäre, und schont Ressourcen.“
Bernd Gewiese, KEK-Energieberater

So positiv!

Man kann es Glück im Unglück nennen. Oder das Glück der Tüchtigen. Wir nennen es einfach „Shrink Positive!“ und freuen uns noch ein kleines bisschen mehr für Pia und Benjamin, als wir hören, dass die Verzögerung durch das Brandschutzfenster unerwartet auch etwas Gutes hat:
Nach einem Tipp der KEK nutzt die Familie die aktuelle Wartezeit, um sich für drei verschiedene Förderungen im Bereich der Bauteilwiederverwertung zu bewerben. Das geht nämlich nur, weil sie planerisch noch nicht mit Bauphase 2 begonnen und noch keine Firmen beauftragt haben. Sollte es mit der Förderung klappen, wäre das eine riesige Entlastung für Pia und Benjamin. An-dernfalls steht in Phase 2 noch sehr viel mehr Eigenleistung auf dem Programm.

Und wie geht’s weiter?

Wir drücken Pia und Benjamin die Daumen, dass das Brandschutzfenster bald geliefert wird und die Förderanträge durchgehen! Im nächsten Teil der #Sanierungsstory erfahren wir hoffentlich mehr über den Einbau der restlichen Fenster und, was uns energetisch besonders interessiert, die Innendämmung.

Haben Sie auch ein Projekt, das einen langen Atem braucht?

Egal, ob Sie im Genehmigungsstau stecken, Fördermittel suchen oder konkrete Fragen zu ökologischen Baustoffen haben: Unsere KEK-Energieberatung hilft Ihnen, den roten Faden bei Ihrer Sanierung nicht zu verlieren.

Jetzt Termin bei der KEK-Beratung vereinbaren.

Fotos: © KEK/Sven Ochs (5), KEK (3), Pia Prochaska (2)

Kennen Sie schon unsere #Sanierungsstory vom 100 Jahre alten Haus Freund? Hier nachlesen!

Auch spannend:

Das zu Sanierende Haus ist zu sehen. Das Backhaus aht eine Besonderheit: es ist nur 2,8 Meter breit.

Shrink positive! #1

Pia und Benjamin haben Großes vor – und zwar auf kleinstem Raum. Die Familie mit den 3-jährigen Zwillingen will sich bewusst verkleinern. Wir dürfen die Sanierung begleiten.

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